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Die Erde wieder finden,
damit der Himmel offen bleibt Gedichte von Frederik Mellak

Auf beinah täglichen Gängen in die Natur belebt der Märchenerzähler Frederik F. Mellak seine Beziehung zur "Erde"“". Schon auf dem kleinen Rasenstück vor seiner Haustür warten Überraschungen. In Wald- und Bachlandschaften zeigen sich ihm Schönheit und Fülle. Im Zwiegespräch mit Bäumen und Bergen erhält Frederik F. Mellak Antworten wie von Philosophen oder Therapeuten. So entstanden im Lauf von 10 Jahren Gedichte, die einen fotografisch genauen Blick mit verspielter Leichtigkeit verbinden. Die Sprache der Gedichte ist einfach und sinnlich und folgt den Formen der Natur. Wie das Tagebuch einer wieder entdeckten Liebe baut sich dieses Buch aus vielen kleinen Begegnungen auf und nährt sich von überraschenden Einzelheiten. Die Gedichte laden ein, die Natur als "Buch des Lebens" zu lesen.


Leseprobe:


Bei Regen in der Raabklamm

Regen fällt
aus dem offenen Himmel
und verschwindet spurlos im Fluss

Regentropfen
leuchten wie Perlen
vor den dunklen Bäumen

der rauschende Bach
spült meine Gedanken fort
unberührt von ihrer Schwere



Morgentauglocke

einmal
als ich gerade zwischen Schneeflocken tanze
öffnet sich eine Tür in der Luft
ich höre den Gesang der schlafenden Winde
und ein Wort nimmt Raum
in meinem Ohr:

Morgentauglocke



Fallen

zuerst war ich ein Adler
so mächtig und frei
doch ich fiel
mit gebrochenen Flügeln auf eine Wolke

dann war ich Wolke
so leicht und schön
doch ich fiel
es zerfloss meine Gestalt
als Regen auf die Erde

dann war ich Erde
so stark und üppig bewachsen
doch ich fiel
ausgetrocknet durch die Sonne
als dürrer Stock ins Feuer

dann war ich Flamme
so wild und lodernd
doch ich fiel
mich selbst verzehrend
in mich zusammen

dann war ich Asche
so weiß und leer
und fiel nicht mehr

jetzt fallen Tränen auf mich
mischen sich mit dem Staub zu neuer Erde
und in deinem Licht du Sonne meines Lebens
treibt ein Baum in die Höhe
über ihn fliegen Vögel aller Art

die von Wolke zu Wolke
Brücken spannen
mit ihrem Gesang